Zitronenfalter im Winter - ein Meister der Kälteanpassung
- max-kugler
- 24. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Jan.
Kaum ein anderer heimischer Schmetterling ist so kälteresistent wie der Zitronenfalter. Während viele Arten den Winter als Ei, Raupe oder Puppe verbringen, überwintert unser "Schmetterling des Jahres 2002" als ausgewachsener Falter. Dabei hält er sich gut geschützt in der Vegetation oder in Baumspalten auf.

Entwicklungszyklus & Lebensraum
Die Entwicklung des Zitronenfalters ist vor allem an den Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) sowie den Faulbaum (Frangula alnus) gebunden. Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an den Raupennahrungspflanzen ab, bevorzugt an der Unterseite junger, frisch ausgetriebener Blätter. Gelegentlich werden auch junge Triebe oder Knospen genutzt. Die Eiablage beginnt meist im April und kann sich bis in den Frühsommer erstrecken. Die Raupen selbst sitzen zumeist gut getarnt auf den Blattoberseiten. Die Verpuppung erfolgt schließlich in Form einer Gürtelpuppe. Nach dem Schlupf sind die Falter zunächst kurzzeitig aktiv, bevor sie sich anschließend in eine Sommerdiapause begeben. Erst an warmen Herbsttagen werden sie wieder häufiger beobachtet, bevor sie schließlich zu überwintern beginnen.

Der Falter besiedelt dabei verschiedenste Lebensräume: Schwerpunkt sind sowohl trockene als auch feuchte, aber stets lichte Wälder. Daneben lassen sich Zitronenfalter entlang von Waldrändern, Hecken, Gebüschsäumen, auf sonnigen Waldlichtungen, Schneisen und solange unbelaubt, auch im Waldesinneren häufig finden. Des Weiteren kann er bei ausreichend Blütenangebot auch im Offenland beobachtet werden, hierzu zählen Wiesen, Ruderalflächen sowie Garten- und Parkanlagen. Zu den wichtigsten Nektarpflanzen zählen unter anderem Huflattich (Tussilago farfara), Rote Taubnessel (Lamium purpureum), Löwenzahn (Taraxacum officinale), Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii), Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) oder Blut-Weiderich (Lythrum salicaria). Durch seine insgesamt breite Habitat- und Blütennutzung zeigt der Zitronenfalter bereits eine hohe ökologische Anpassungsfähigkeit.
Überwinterungsverhalten

Bereits im zeitigen Frühjahr lassen sich Zitronenfalter auf der Suche nach den ersten Nektarpflanzen beobachten. Es handelt sich dabei allerdings nicht um frisch geschlüpfte Falter. Vielmehr ist der Zitronenfalter die am längsten lebende heimische Tagfalterart: Die Imagines erscheinen bereits im Juli und können nach der Überwinterung im Imaginalstadium bis in den Juni des darauffolgenden Jahres beobachtet werden.
Doch besitzt der Zitronenfalter eine weitere Besonderheit: Er verbringt den Winter nicht in geschützten Hohlräumen oder Gebäuden, sondern nahezu ausschließlich in der Vegetation; Überwinterungen in Baumhöhlen oder Rindenspalten stellen eher eine Seltenheit dar. Die leuchtend gelben Männchen und die blasseren, grünlich gelb/cremig weiß gefärbten Weibchen sind durch ihre gezackten, blattähnlichen Flügel mit je einem kleinen orangefarbenen Punkt auf allen Flügeln perfekt getarnt - im Ruhezustand erinnern sie so an ein welkes Blatt.
Die außergewöhnliche Überwinterungsfähigkeit des Zitronenfalters beruht auf der Anreicherung von Glycerin, das als körpereigenes Frostschutzmittel wirkt und den Gefrierpunkt der Körperflüssigkeiten deutlich herabsetzt. Durch die Bindung freien Wassers verhindert Glycerin die Bildung von Eiskristallen und schützt so die Zellen von Kälteschäden. Zusätzlich senkt der Zitronenfalter durch die Ausscheidung überschüssiger Flüssigkeit seinen Körperwassergehalt und erhöht damit weiter seine Frosttoleranz. Unter den wechselhaften Winterbedingungen Mitteleuropas, in denen isolierende Schneedecken oft fehlen, bietet Glycerin auch einen wirksamen Schutz vor Austrocknung. So kann der Zitronenfalter selbst strengen Frost von zweistelligen Minusgraden gut überstehen.

Tipps zur Zitronenfalter-Suche im Winter
Mit Hilfe einer Taschenlampe lassen sich Zitronenfalter bei Dunkelheit vergleichsweise leicht entdecken, da ihre Flügel das Licht deutlich reflektieren. Besonders erfolgversprechend ist die Suche in lichten Wäldern mit einer Bodenvegetation aus Heidel- und Preiselbeeren. Gelegentlich finden sich die Falter auch auf den Unterseiten von Brombeerblättern sowie in Baumspalten oder dichtem Efeubewuchs.
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